Bachforellenaufzucht - Vom Ei bis zum Setzling

Um untere anderem den Bachforellenbestand in der Aa zu erhalten, werden nach Auswertung der Fangberichte zwei bis dreimal im Jahr beim Züchter gekaufte Setzlinge in die Aa eingesetzt. Da Salmoniden jedoch zum Ablaichen in ihr Geburtsgewässer, welches sie am Geruch erkennen, zurückkehren, haben wir in der Vergangenheit bereits zweimal anstatt Setzlinge Forelleneier geordert und diese selber ausgebrütet. Nicht dass unsere Gewässerwarte wie die Hennen drei Wochen mit dem Hintern auf den Eiern saßen... nein, bei Forellen geht das schon ein wenig anders. Wie, das beschrieb der folgende Artikel aus der AAqua News im April 2000 sehr anschaulich:

30000 Forellen für die Aa

Hoch her ging es bis vor wenigen Wochen in der Garage von Alfred Meyerdierks. Seit Mitte Januar tummelten sich in einem Stahlbecken mit Aawasser und künstlicher Strömung circa 50000 Bachforelleneier, die der Verein in diesem Jahr erstmals anstelle von Bachforellensetzlingen gekauft hat. Der Vorteil dieser Eigenaufzucht: Die Fische leben von Anfang an in Aawasser und lernen so den typischen Geruch kennen, der sie später beim Ablaichen unfehlbar wieder in ihr Geburtsgewässer zurückführt.

Doch bevor es soweit ist, bedeutete die Aktion eine riesige Menge an Arbeit. Während der ungefähr einwöchigen Schlüpfphase war Alfred fast ununterbrochen damit beschäftigt, mit einem Schlauch die kaputten und schimmeligen Eier, tote Tiere sowie die Schalen der bereits geschlüpften Tiere abzusaugen, damit diese nicht das Wasser verunreinigen und so zu Krankheiten unter den noch recht empfindlichen Tieren führen. (Alfred verkündete übrigens irgendwann ganz stolz: "Ich bin kürzlich Vater von 30000 Bachforellen geworden!") Auch mussten täglich 50 Liter Wasser in Eimern von der Aa geholt und ausgewechselt werden. All das musste Alfred während seiner regulären Arbeit machen. Hilfe bekam er dabei vor allen Dingen in seiner Spät- und Nachtschicht von Gewässerwart Thomas Trute, der ihm dann einen großen Teil der Arbeit abnahm.

Und auch nach der Schlupfphase war die Arbeit noch lange nicht getan. denn Wasserqualität, temperatur und Lichtdauer bei einer künstlichen Aufzucht müssen ständig kontrolliert und gegebenenfalls sofort korrigiert werden.

Vor dem Schlüpfen war die Strömung in dem Becken sehr gering, damit die Eier nicht durcheinandergewirbelt wurden. In der Natur liegen die Eier gut versteckt zwischen Steinen, jedoch hätten die Steine in Alfreds Becken einen erheblichen Mehraufwand an Arbeit bedeutet. Soabld die Fische jedoch geschlüpft waren, wurde die Fließgeschwindigkeit erhöht. Und es war äußerst interessant und aufschlussreich, die kleinen Fischlein dabei zu beobachten, wie sie sich entlang einer unsichtbaren Grenze vor der Strömung über- und untereinander drängten, als ginge es um ihr Leben. Weiter hinten im ruhigeren Teil des Wassers standen nur vereinzelte Jungtiere - was beweist, dass auch ein kräftiges Hochwasser einem Jungfisch so schnell nichts anhaben kann. In den ersten sechs Lebenswochen ernähren sich die Larven noch von ihrem Dottersack. Danach begann dann die allmähliche Zufütterung von spezieller Aufzuchtnahrung.

Ende März hieß es dann für die ersten 3000 Bachforellen Abschied nehmen von der sicheren Heimat. Sie hatten mit etwa vier Zentimetern die richtige Größe erreicht, um eigenständig im Fluss zurecht zu kommen und Nahrung zu finden. Sie wurden vorsichtig mit einem kleinen Kescher abgefischt und in die Oberaa in Velen eingesetzt. Dabei achteten Alfred und seine Helfer darauf, dass nur wenige Bachforellen an der selben Stelle in die Aa kamen, denn so ist gewährleistet, dass jeders Tier einen Unterschlupf findet.

In den folgenden Wochen brachte Alfred nach und nach alle 30000 Fische zur Aa. Jetzt bleibt nur nioch abzuwarten, dass nicht allzu viele Opfer von größeren Fischen oder Landräubern wie dem Fraureiher werden. In ein paar Jahren werden sich auf jeden Fall eine große Anzahl kräftiger und fangfähiger Bachforellen in der Aa tummeln. Auch ihr könnt dazu beitragen, indem ihr ohne Widerhaken fischt und keine unnötigen Drills mit den Fischen veranstaltet. Denn es ist erstens total unsportlich und zweitens ziemlich unfair gegenüber Alfred und seinen Helfern, die soviel Zeit und Mühe in die Aufzucht investiert haben.

Soweit der damalige Artikel. Auf den nachfolgenden Bildern von Thomas Trute könnt ihr sehen, wie die Aufzucht vonstatten ging.

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© Isabell Raschke 2008