Lebensraum Aa
Teil 3 - gefährdete Arten

Nachdem Ihr in den vergangenen Ausgabe etwas über die Ökologie der Aa gelesen habt, sollte an dieser Stelle etwas über die Bachforelle zu stehen. Als ich jedoch im Internet auf einige Seiten über gefährdete Fischarten stieß, schien mir dieses Thema weitaus wichtiger zu sein.

Schaut man sich auf den Internetseiten des NaBu, MURL und der "Roten Liste" um, wird einem als Naturfreund schon fast schlecht. Fische, die wir hier immer noch in der Aa haben, sind dort schon seit längerer Zeit als gefährdet, stark gefährdet und sogar vom Aussterben bedroht auf-geführt. Der Huchen und der Lachs sind den meisten von Euch ja wohl - zumindest dem Namen nach - bekannt. Aber hat schon mal jemand einen Maifisch, einen Steingreßling, Streber, Strömer, eine Ziege oder eine(n) Zingel gefangen? Nein? Tja, das geht auch eigentlich nicht mehr, da diese Fische vom Aussterben bedroht sind, was bedeutet, dass diese Fische in den letzten Jahren einen so enormen Rückgang an fortpflanzungsfähigen Tieren hatte, dass es mit ihnen bald wohl Essig ist.

Wir können uns folglich noch richtig glücklich schätzen, dass wir Fische wie Bachneunauge, Schlammpeitzger und Gründling quasi direkt vor unserer Haustür in der Aa haben. Sie alle sind zwar - noch nicht - vom Aussterben bedroht, jedoch auf der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft. Und was den Aal angeht, die Äsche, die Elritze, den Hecht, Zobel, Karausche, Moderlieschen, Rapfen, Schmerle und auch die gute alte Bachforelle - sie alle sind als gefährdet eingestuft.

Was sind denn nun die Gründe für diesen Zustand? Zum einen sind es sicherlich die in der letzten AAqua News beschriebenen Faktoren wie Wegfall vieler Feuchtgebiete und damit dem Lebensraum der Nahrung vieler Fische. Aber ein viel wichtigerer Faktor ist die immer noch zunehmende Umwelt- und Wasserverschmutzung. Pestizide, Ölverschmutzung im Grundwasser, Saurer Regen und weiß der Geier, was sonst noch - all diese Gifte machen es den Fischen ziemlich schwer, sich in für den Fortbestand der Art ausreichender Zahl zu vermehren.

Vom Aussterben bedroht - das hängt für viele nur mit einer unmittelbaren aktuellen Naturkatastrophe zusammen. Was aber bedeutet es genau, wenn von „Aussterben” und „stark gefährdet” die Rede ist? Vom Aussterben bedroht sind Arten, deren Bestände durch lange anhaltenden starken Rückgang auf eine kritische Größe zusammengeschmolzen ist. Das Überleben dieser Arten in unserem Gebiet ist unwahrscheinlich, wenn die verursachenden Faktoren weiterhin einwirken oder bestandserhaltende Schutz- und Hilfsmaßnahmen des Menschen ausbleiben. Stark gefährdet sind Arten, deren Bestände im nahezu gesamten Verbreitungsgebiet augenfällig zurückgehen oder regional verschwunden sind, bzw. Arten mit insgesamt niedrigen Beständen. Gefährdet sind Arten, deren Bestände regional bzw. vielerorts lokal zurückgehen oder lokal bereits verschwunden sind. (Quelle: Pressemitteilung des MURL vom 30. 10. 2000, gefunden im Internet unter www.murl.nrw.de/sites/presse/pressemitteilungen/ue001030.htm).

Was aber können diese Informationen nun für den Ramdorfer Angelverein bedeuten? Sicherlich zum einen, dass wir nicht locker lassen dürfen, wenn es um die Belange der Aa geht. Sobald jemand eine unerlaubte Einleitung in der Aa bemerkt, sollte er schnurstracks einen Gewässerwart benachrichtigen, damit umgehend Maßnahmen zur Schadensbegrenzung ergriffen werden können. Zum anderen ist es aber ebenso wichtig, dass jeder einzelne seine Einstellung zur Fischerei überprüft - und gegebenenfalls korrigiert! Wie gehe ich mit dem Fisch um? Ist er lediglich Beute oder bedeutet er mir weitaus mehr? Fische sind Lebewesen - das sollte man nie vergessen! Und nur, weil sie uns Menschen nicht ebenbürtig sind, heißt das nicht, dass es egal ist, ob sie aussterben oder nicht. Jedes Tier, selbst die allerkleinste Mikrobe, ist ein Teil der funktionierenden Natur um uns herum. Stirbt nur ein einziger Teil aus, gerät das restliche Gefüge aus dem Gleichgewicht. Wenn wir also auch noch mit unseren Enkel zum Fischen an die Aa gehen und dort nicht nur ein paar leere Bierdosen vorfinden wollen, ist es unerläßlich, das jeder einzelne heute schon aktiven Naturschutz praktiziert.

In diesem Sinne: Petri Heil!

 

 

© Isabell Raschke 2008